Auktionshaus Rapp versteigert eine Zürcher Jahrhundert-Sammlung
Ein geheimnisvoller alter Schiffskoffer hat es in sich: Seltene, teure Briefmarken und Briefe vergangener Zeiten aus dem Besitz von Matthias Jäggli, dem Gründer des Zürcher Optikers Zwicker. Sie alle kommen nun im Auktionshaus Rapp in Wil/SG unter den Hammer.
Im Schiffskoffer von Matthias Jäggli verbargen sich Briefe aus vergangenen Zeiten und vor allem 15 sogenannte Schaubek-Alben, die an sich schon wertvoll und ausserdem bestückt sind mit teils ganz teuren Briefmarken. Marianne Rapp Ohmann freut sich, dass sie in ihrem Auktionshaus am Dienstag, 14. November 2023 diese wertvolle Sammlung versteigern darf – denn: „Solche Kollektionen sind heute enorm selten und fast nicht mehr anzutreffen.“
Optikgeschäft als Briefmarken-Mekka
Besonders fasziniert hat Marianne Rapp die Entstehungsgeschichte der Briefmarken-Sammlung. Sie sei ihrem Auktionshaus vom ebenfalls bereits über 90 Jahre alten Urenkel von Matthias Jäggli und von seinem Sohn anvertraut worden. Die jetzigen Besitzer hätten in schillernden Farben erzählt, dass der Grundstein der Briefmarkensammlung zu Beginn der Entstehung der Briefmarken – also Mitte bis Ende der 1840er-Jahre – gelegt worden sei. Matthias Jäggli habe schon in jungen Jahren, nämlich 1848, ein kleines Optikergeschäft in Zürich gegründet. Aber Jäggli hatte Grösseres vor, denn er sei sehr begabt gewesen und habe Geräte für die Herstellung von Brillengläsern entwickelt. Er habe deshalb enge Kontakte zur ETH gepflegt. Dies blieb nicht unbeachtet, sagen seine Nachfahren: „Die Leute sind von weit her gekommen und haben Brillengläser und Brillen anfertigen lassen.“ Und hier kommt Jägglis Sammel-Leidenschaft ins Spiel: So hatte er schon in einer Zeit, in der die Briefmarken erst am Anfang standen, weltweite Korrespondenz mit Kundschaft aus den USA, England oder Japan. Sein Faible für Briefmarken verhalf ihm zu seiner Kollektion mit sehr seltenen und wertvollen Briefmarken, die nun unter den Hammer kommt.
Fokus auf britischen Kolonien
Schon nach einigen Jahren konnte ein prominentes Domizil bezogen werden. Der Gründer übergab das Optikergeschäft dann an seinen Sohn Julius Jäggli, dem Grossvater des jetzigen Besitzers, dem es ein grosses Anliegen ist, dass andere Sammelnde mit viel Sachverstand diesen Schatz bewahren können. Sein Grossvater habe nicht nur das Geschäft weitergeführt, sondern auch die Briefmarkensammlung erweitert und die internationalen Kontakte vertieft. Marianne Rapp Ohmann ist beeindruckt von den offenbar guten damaligen Kontakten nach England und in die britischen Kolonien, weshalb die Sammlung genau aus diesen Ländern Dutzende Raritäten beinhalte. Briefmarkensammlung wie Firma sind zu bleibenden Werten geworden: Julius Jäggli übergab nach vielen Jahren das Optikgeschäft seinem ersten Mitarbeiter, einem Herrn Zwicker. Seine Firmennachfolger führen „Optiker Zwicker“ im Jahr des 175-jährigen Bestehens noch immer an derselben Adresse, nämlich an der Poststrasse 1 am Paradeplatz in Zürich.
Ein geheimnisvoller alter Schiffskoffer des Gründers von «Optiker Zwicker» brachte einen riesigen Schatz an Briefmarken aus aller Welt zutage.